• Suche

  • Archiv

  •  
  • Schlagwörter

    ABC Wien aktivismus anarchismus antifaschismus antiknast antimilitarismus antirassismus arbeitskaempfe Aufstand besetzung bewegungsfreiheit buchvorstellung chile deutschland feminismus frauenbewegung freiraum Gefangene gefängnis geschichte griechenland hausbesetzung hungerstreik italien migration musik polizeigewalt proteste rassismus raumaneignung rechtsextremismus repression revolution selbstverwaltung Solidarität spanien stadtentwicklung tierbefreiung tierrechtsaktivistInnen türkei USA vernetzung wagenplatz wien österreich

13/05/2012 – Die Internationale Teil 1

Gründung und Entwicklung bis 1870/71

Mit einem Beitrag von Philippe Kellermann (Ausschnitte einer Veranstaltung in der Anarchistischen Bibliothek Wien am 29.10.2011 zum Thema „Begegnungen feindlicher Brüder. Zum Verhältnis von Anarchismus und Marxismus in der Geschichte der sozialistischen Bewegung“)

Der Begriff Internationale leitet sich von der Kurzbezeichnung der 1864 gegründeten Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) ab, die auch als Erste Internationale bezeichnet wird. Im Gegensatz zu späteren Internationalen bestanden die Mitglieder der Ersten noch aus einer Vielzahl politisch divergierender Gruppen. Während die von Marx beeinflußte sozialdemokratische Strömung zentralistische Organisationsformen, die Gründung nationaler Arbeiterparteien und die Eroberung der politischen Macht propagierte, waren die von Bakunin unterstützten Basisbewegungen föderalistisch und pluralistisch orientiert. Die Wege gingen daraufhin auseinander: Die Parteipolitik trennte sich von emanzipatorischen Basisbewegungen. In der Ersten Internationale (1864-1877) wurde dieser Konflikt erstmals ausgetragen.

„Die Erste Internationale ist eine der denkwürdigsten Episoden in der Geschichte des Sozialismus. (…) Millionen Arbeitern erschien sie als eine legendäre Gestalt, in die sie überschwengliche Hoffnungen setzten. (…) Die Kabinette Europas beschäftigten sich mit Plänen ihrer Ausrottung. In Frankreich und Spanien wurde sie durch Sondergesetze verfolgt, in der österreichisch-ungarischen Monarchie und im Deutschen Kaiserreich als staatsgefährlich verfemt, vom Papst als ‚Feind Gottes und der Menschheit’ verdammt. Mit der Ersten Internationale, viel bewundert und geschmäht, betrat der Sozialismus als eine Weltbewegung die Bühne der Geschichte.“ (J. Braunthal 1978, S. 101).

Durch die ‚Erfolge’ der parteipolitisch organisierten Sozialdemokratie und seit 1917 dazukommend, der kommunistisch sich definierenden staatssozialistischen Projekte, wurde die Rolle und Bedeutung des Anarchismus als Teil der sozialistischen Bewegung und Konkurrenzprojekt zu diesen (weitestgehend) hegemonialen Strömungen unterbelichtet oder verschwiegen.

Zum Weiterlesen:

  • Max Nettlau: Geschichte der Anarchie. Band 2. Bibliothek Thélème 1993. Nachdruck der Ausgabe Berlin 1927
  • Eckhardt, Wolfgang (Hg. und Einleitung): Michael Bakunin. Konflikt mit Marx. Teil 1: Texte und Briefe bis 1870. Ausgewählte Schriften Band 5, Karin Kramer Verlag, Berlin 200
  • Eckhardt, Wolfgang (Hg. und Einleitung): Michael Bakunin. Konflikt mit Marx. Teil 2: Texte und Briefe ab 1871. Ausgewählte Schriften Band 6, Karin Kramer Verlag, Berlin 2011
  • Julius Braunthal: Geschichte der Internationale. Band 1. Berlin und Bonn 1978. (3. Aufl.)
  • P. Ramus: Nach vierzig Jahren – Ein historisches Gedenkblatt zur vierzigjährigen Gründung der Internationalen Arbeiter Association (London 1905), in: anarchistische texte 17: Die erste Internationale 1864, Berlin (West) 1979
  • A. Souchy: 120 Jahre IAA, in: Schwarzer Faden 13 (1/1984), S. 50