“Sobald mir die bestehenden Verhältnisse völlig bewusst geworden sind, habe ich mit skrupellosem Diebstahl begonnen. Die Logik der sogenannten Moral, die den Respekt vor dem Eigentum als eine Tugend betrachtet, liegt mir fern. Denn in Wirklichkeit sind doch die Besitzenden die schlimmsten Diebe und Ausbeuter. Als ich mich für den Diebstahl entschieden habe, tat ich dies nicht um Reichtum und Luxus zu erlangen. Es war eine Frage des Prinzips, des Rechts. Ich zog es vor, meine Freiheit, meine Unabhängigkeit und meine Würde als Mensch zu bewahren und nicht als Sklave für das Vermögen eines anderen mich ausbeuten zu lassen. Direkt gesagt und ohne schöne Umschreibung: Ich bevorzugte zu rauben anstatt ausgeraubt zu werden.”
Bahoe Books (Hrsg.): Thomas Bernard, Alexandre Marius Jacob 1879-1954, Band 1, Wien, 2012
Sendung zu Anarchismus, Gefangene und Repression in Europa. Die deutsche Übersetzung der dritten Nummer der anarchistischen Zeitschrift “A corps perdu” wird vorgestellt sowie aktuelle Informationen zu anarchistischen Gefangenen und Repression.
Aktivisten aus den Niederlanden (Ongehoord), Italien (Fermare Green Hill) und Großbritannien erzählen von Anschlussversuchen von Rechtsextremen an die Tierrechtsbewegung.
Drei Länder, drei verschiedene Kontexte: In den Niederlanden versucht die rechtsextreme “Voorpost” mit ihrem tierschützerischen Ableger “Met de Dieren tegen de Beesten” sich öffentlich als aktiv für Tiere zu inszenieren. In Italien sind es die neofaschistischen “Casa Pound” und die nach extrem rechts offenen Tierrechtsgruppen “Offensiva Animalista” und “Cento Per Cento Animalisti”. In Großbritannien sind es nicht rechtsextreme Organisationen sondern Einzelne mit diskriminierenden Positionen, deren konsequenter Ausschluss durch ein falsches Verständnis von Toleranz erschwert wird. Die drei interviewten Aktivisten erzählen aber auch über ihre Strategien gegen Rechtsextreme und mit welchen Mitteln sie versuchen, diskriminierende Positionen und Personen zu isolieren. …weiterlesen
Vom 29. August bis zum 2. September 2012 treffen sich die Aktivist_innen von Reclaim the fields (RTF) auf der ZAD in Notre-Dame-des-Landes. Die ZAD – Zone A Défendre – ist Resultat der Kämpfe gegen den Bau eines immensen Flughafens, der landwirtschaftliche Flächen verschlucken soll, um den wirtschaftlichen Wettbewerb anzukurbeln..
Wie RTF setzen sich die ZAD-Besetzer_innen für eine nicht-kapitalistische Lebensmittelproduktion ein. Das bevorstehende RTF-Treffen auf der ZAD nehmen wir als Anlass, beide Initiativen vorzustellen und die Themen kleinbäuerlicher Widerstand, Ernährungssouveränität und solidarische Landwirtschaft zu diskutieren.
In den USA und zunehmend auch in Europa gerät die Ökologie- und Tierbefreiungsbewegung (vom FBI als „number one domestic terrorism threat“ denunziert) ins Fadenkreuz der Staatsapparate und Chef-Etagen der Konzerne. Will Potter, US-Journalist und Autor des Buches “Green Is The New Red“, bezeichnet diese Entwicklung als “Green Scare”: Eine neue Art von “corporate repression”, wo mittels des Kampfbegriffes des “Ökoterrorimus” und massiver Propaganda die Kriminalisierung jedweder profitbedrohender Proteste durch Repressionsbehörden und Lobbyorganisationen vorangetrieben wird. Mittlerweile sind auch andere soziale Bewegungen wie Occupy in den USA von der um sich greifenden Eskalation von Überwachung und Verfolgung betroffen. In einem ausführlichen BAT-Interview beschreibt Will Potter Struktur und Methoden dieser Repression, zeigt aber auch Möglichkeiten auf, wie soziale Bewegungen dieser Bedrohung widerstehen können.
Eine kurze Rundschau zur aktuellen Repression gegen anarchistische und andere emanzipatorische Kämpfe in Griechenland, Italien, der Schweiz, Deutschland und Östereich mit Infos zur Europol-Konferenz “Anarchismus in der Europäischen Union” im April 2012 in Den Haag, zur FAI sowie der No Tav-Bewegung im Val di Susa.
Die Internationale Teil 1 wurde am 13/05/2012 und Teil 2 am 17/06/2012 gesendet.
Die Juraföderation und die Antiautoritäre Internationale (1872-1877)
Schockiert über die Beschlüsse der Londoner Konferenz 1871 und des Haager Kongresses 1872 organisierten die antiautoritären Sektionen der IAA, insbesondere solche von Spanien, Italien, Frankreich, Belgien und den USA mit der Fédération Jurassienne, die den libertären Pol der IAA bildete, einen Kongress in St-Imier, an dem klar libertäre Beschlüsse verabschiedet wurden.
140 Jahre danach bietet ein Treffen am Ort der Gründung die Möglichkeit, eine Bilanz aus der Geschichte der anarchistischen Bewegung zu ziehen, heutige Wege des Widerstands und Kämpfe in ihren verschiedenen Formen aufzuzeigen und die aktuelle Situation der libertären Strömungen zu diskutieren:
Internationales Anarchistisches Treffen in St-Imier (Schweiz) vom 8. bis 12. August 2012 http://www.anarchisme2012.ch/
Außerdem: ein kurzer Bericht von der Budapest Pride, Ankündigungen und Dank an Gerhard Kettler
Im Herbst 2011 stellte sich das neue Verlagshaus Bahoe Books vor. Bahoe Books versteht sich als einziger Verlag im deutschsprachigen Raum, der radikale Theorie in Form von Büchern gegen freie Spende verbreitet. In dieser Sendung wird ein weiterer neuer Knaller vorgestellt.
Rudi Rockers Analyse des Bankrotts des russischen Staatskommunismus, geschrieben 1921, stellt eine kurze, einfach und schnell zu lesende Einführung zu den klassischen Themen anarchistischer Identitätsbildung dar: Machno, Kronstadt, Kritik am Staat, ArbeiterInnenselbstorganisierung sind Grundlagen von denen alle Menschen, die einen Vertrag mit der Revolution unterschrieben haben, einmal gehört haben sollen.
Eine Sendung zur kommenden Gay Pride in Budapest und der politischen Situation in Ungarn.
Von Wien aus gibt es am 7. Juli 2012 wieder einen Bus nach Budapest, der die gemeinsame Anreise von Aktivist*innen ermöglichen wird. Bedauerlicherweise hat sich seit 2008 die Gangart der Politik und Polizei gegenüber der lesbisch-schwulen und transgender Community kontinuierlich verschärft. Angriffe auf die Demo und allgemeine Hetze gegen Minderheiten stehen an der Tagesordnung.
Wir unterhalten uns über vergangene Paraden in Budapest, warum Unterstützung von Nöten ist und was Teilnehmer*innen heuer erwarten können.
Die Internationale Teil 1 wurde am 13/05/2012 gesendet.
Frauen in der Ersten Internationale
Antje Schrupp:
Das Verhältnis von Frauen und Männern war ein wichtiger Diskussionspunkt in der Ersten Internationale, und er war verflochten mit den anderen Themen, die damals debattiert wurden. Wenn man sich mit der Geschichte der Arbeiterbewegung beschäftigt, ist es also nicht möglich, einfach – aus politischer Korrektheit – ein Kapitel „Frauen” anzuhängen, und im übrigen alles beim Alten zu belassen. Meine persönliche Faustregel heißt: Ein schlechtes Buch erkennt man daran, daß es ein Frauenkapitel hat. (Leider stimmt der Umkehrschluß nicht, daß man ein gutes Buch daran erkennt, daß ein solches Kapitel fehlt).
Wenn Frauen politisch denken, dann geht es nicht um Feminismus oder Emanzipation und auch nicht um ihr Verhältnis zu den Männern, sondern es geht um die Welt, um ihre Beschaffenheit und wie man sie gestalten soll. Das heißt, wenn wir die Positionen von Virginie Barbet, André Léo, Elisabeth Dmitrieff und Victoria Woodhull studieren, dann studieren wir kein Frauenzeugs, sondern schlicht und einfach den Sozialismus im 19. Jahrhundert. Und erstaunlicherweise wurden in der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung damals Fragen diskutiert, die auch heute noch überaus aktuell sind. Jedenfalls viel aktueller als die Frage, ob nun Marx recht hatte, oder Bakunin.
Antje Schrupp: Nicht Marxistin und auch nicht Anarchistin. Frauen in der Ersten Internationale, Königstein/Ts. (Ulrike Helmer Verlag) 1999
Das Buch ist vergriffen, aber sowohl in der Anarchistischen Bibliothek als auch in der Bibliothek von unten vorhanden: http://a-bibliothek.org/ http://www.bibliothek-vonunten.org/
“The personal is political”: Politische Gedichte und Lyrik in Englisch von Frank Richardson.
Bericht über den 1. Mai in Porto, die Unterschiede zwischen mayday-Paraden und die europäischen Aktionstage vom 16.-19. Mai in Frankfurt
Gründung und Entwicklung bis 1870/71
Mit einem Beitrag von Philippe Kellermann (Ausschnitte einer Veranstaltung in der Anarchistischen Bibliothek Wien am 29.10.2011 zum Thema „Begegnungen feindlicher Brüder. Zum Verhältnis von Anarchismus und Marxismus in der Geschichte der sozialistischen Bewegung“)
Der Begriff Internationale leitet sich von der Kurzbezeichnung der 1864 gegründeten Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) ab, die auch als Erste Internationale bezeichnet wird. Im Gegensatz zu späteren Internationalen bestanden die Mitglieder der Ersten noch aus einer Vielzahl politisch divergierender Gruppen. Während die von Marx beeinflußte sozialdemokratische Strömung zentralistische Organisationsformen, die Gründung nationaler Arbeiterparteien und die Eroberung der politischen Macht propagierte, waren die von Bakunin unterstützten Basisbewegungen föderalistisch und pluralistisch orientiert. Die Wege gingen daraufhin auseinander: Die Parteipolitik trennte sich von emanzipatorischen Basisbewegungen. In der Ersten Internationale (1864-1877) wurde dieser Konflikt erstmals ausgetragen.
„Die Erste Internationale ist eine der denkwürdigsten Episoden in der Geschichte des Sozialismus. (…) Millionen Arbeitern erschien sie als eine legendäre Gestalt, in die sie überschwengliche Hoffnungen setzten. (…) Die Kabinette Europas beschäftigten sich mit Plänen ihrer Ausrottung. In Frankreich und Spanien wurde sie durch Sondergesetze verfolgt, in der österreichisch-ungarischen Monarchie und im Deutschen Kaiserreich als staatsgefährlich verfemt, vom Papst als ‚Feind Gottes und der Menschheit’ verdammt. Mit der Ersten Internationale, viel bewundert und geschmäht, betrat der Sozialismus als eine Weltbewegung die Bühne der Geschichte.“ (J. Braunthal 1978, S. 101).
Durch die ‚Erfolge’ der parteipolitisch organisierten Sozialdemokratie und seit 1917 dazukommend, der kommunistisch sich definierenden staatssozialistischen Projekte, wurde die Rolle und Bedeutung des Anarchismus als Teil der sozialistischen Bewegung und Konkurrenzprojekt zu diesen (weitestgehend) hegemonialen Strömungen unterbelichtet oder verschwiegen.
Zum Weiterlesen:
- Max Nettlau: Geschichte der Anarchie. Band 2. Bibliothek Thélème 1993. Nachdruck der Ausgabe Berlin 1927
- Eckhardt, Wolfgang (Hg. und Einleitung): Michael Bakunin. Konflikt mit Marx. Teil 1: Texte und Briefe bis 1870. Ausgewählte Schriften Band 5, Karin Kramer Verlag, Berlin 200
- Eckhardt, Wolfgang (Hg. und Einleitung): Michael Bakunin. Konflikt mit Marx. Teil 2: Texte und Briefe ab 1871. Ausgewählte Schriften Band 6, Karin Kramer Verlag, Berlin 2011
- Julius Braunthal: Geschichte der Internationale. Band 1. Berlin und Bonn 1978. (3. Aufl.)
- P. Ramus: Nach vierzig Jahren – Ein historisches Gedenkblatt zur vierzigjährigen Gründung der Internationalen Arbeiter Association (London 1905), in: anarchistische texte 17: Die erste Internationale 1864, Berlin (West) 1979
- A. Souchy: 120 Jahre IAA, in: Schwarzer Faden 13 (1/1984), S. 50